Predigt zu Mt 3,13-17

Wir sind es gewohnt, dass wir uns Umkehr, wozu Johannes seine Hörerinnen und Hörer aufruft als eine vollständige Änderung unseres Lebensstils vorstellen. Wenn wir Johannes aber genau zuhören, dann wird deutlich, er fordert die Menschen nur auf, sich an die vorgegebene Ordnung zu halten. Und dann gibt es noch die anderen, für die der ruf zur Umkehr ein wirklicher Neuanfang bedeutet. Und unter diesen findet sich auch Jesus aus Nazareth.

Was meint Umkehr?

Johannes ruft die Menschen zur Umkehr und sie kommen in Scharen, um sich von ihm taufen zu lassen. Wir kennen auch die Frage einiger Soldaten und Zöllner, was sie denn tun sollten, wie sie ihr Leben ändern sollten. Die Antwort des Johannes darauf ist, dass die Zöllner nicht mehr Zoll nehmen sollen als vorgegebnen ist und die Soldaten niemand Gewalt antun sollen. Die Umkehr heißt für diese Menschen also: Ich halte mich an Recht und Ordnung. So bereiten sie sich auf das Kommen des Reiches Gottes vor.

 

Die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben

Das was Johannes bei den Menschen seiner Zeit anspricht ist offensichtlich ihre Suche nach einem anderen Leben. Es soll sich in ihrem Leben etwas ändern. Es kann wohl auch die ganz konkrete Erwartung auf das kommen des Messias sein. Diese apokalyptische Stimmung war in dieser Zeit in Israel sehr verbreitet.

Aber es kann auch sein, dass die Menschen, angeregt durch diese Erwartung auf den Messias spürten, dass sie etwas in ihrem Leben ändern müssen. Vielleicht ist es auch, mit Blick auf die Botschaft: „Das Reich Gottes ist nahe!“ die Sehnsucht nach einem Lebenssinn der trägt.

Ich denke, dass es Menschen immer mal wieder so geht. Sie spüren, dass sie in ihrem Leben etwas ändern müssen. Sie sind auf dem Weg zu dem was ihr “Eigenes“ ist. Vielleicht ein Traum, den sie umsetzen wollen oder auch "nur", dass sie beschließen, ihren Alltag anders zu gestalten. Getragen von der Sehnsucht nach einem erfüllten Leben, nach dem, was ihre eigene, ihre ganz persönliche Berufung ist machen sie sich auf den Weg.

Die Besinnung auf die eigenen Stärken – und Schwächen – der Blick auf den Lebensweg bis hierher bringt sie in Bewegung. Sie beginnen den ersten Schritt der “Umkehr“ zu tun. Das heißt, Umkehr muss überhaupt nicht in erster Linie etwas zu tun haben mit der Abkehr von einem Irrweg, das Verlassen des “sündigen Lebenswandels“ und was man traditioneller Weise sich sonst noch alles darunter vorstellt. Hier im Matthäusevangelium zeigt die Taufe zur Umkehr lediglich, dass der Mensch sich besinnt und sein Leben neu auf Gott ausrichtet. Er beginnt auf eine andere, neue Art und Weise, sein Leben, seine Berufung zu leben.

 

Jesus kehrt um

Und so erfahren wir, dass unter der Schar der Umkehrwilligen bei Johannes sich eines Tages auch Jesus aus Nazareth einfindet. Er ist nicht mehr ganz jung, hat bis jetzt, bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr als Zimmermann gearbeitet und den Leuten die Dachkonstruktionen auf die Häuser gesetzt. Er will sein Leben neu in die Hand nehmen. Er spürt offensichtlich, dass er in seinem Zimmermannsdasein seine Berufung noch nicht gefunden hat. Die Umkehr auf das Reich Gottes hin, spricht ihn an. Und er entscheidet sich für einen neuen Weg, ohne bereits zu wissen, wie dieser Weg, dieses Leben aussieht und wohin es ihn führt.

 

Hineinwachsen in ein neues Leben

In dem Bericht des Matthäus erfahren wir, wie Gott auf diese Umkehr reagiert. Er bestätigt – dem Jesus aus Nazareth, dass er Recht hat mit seiner Entscheidung. Ja, auf dich wartet ein anderes Leben als das des Zimmermanns, der den Menschen irdische Häuser baut. „Du bist mein geliebter Sohn!“ Und im Blick auf die Umstehenden: "Auf ihn sollt ihr Hören!"

 

Jesus ist auf dem Weg zu seiner Berufung, zu seinem ganz persönlichen Weg und seiner ganz eigenen Gottesbeziehung. Für ihn ist nicht einfach alles schon klar. Er wächst in seine Sendung hinein. Das zeigen deutlich die Evangelien. So wird ihm erst um Laufe seines Weges klar, dass eine Sendung nicht auf Israel beschränkt ist, sondern auch die umliegenden Heidenvölker einbezieht.

 

Das ist die Umkehr, die Jesus vollzieht: Er nimmt sein Leben neu in die Hand. Diese Form der Umkehr ist Abschied und Chance zugleich. Ich nehme Abschied von dem, was mein Leben bisher bestimmt hat und gehe zu auf das, was Gott für mich vorgesehen hat. Für den einen kann das bedeuten, dass er sich nochmal völlig neu ausrichtet im beruflichen Umfeld und in seiner privaten Lebensführung – sich plötzlich mehr Zeit für die "wichtigen" Dinge nimmt. Für den anderen kann das die Entscheidung zu mehr ehrenamtlichen Engagement sein oder einfach "nur" die Entscheidung zu einem bewussteren Leben. Immer getragen von der Zusage: Du bist mein geliebter Sohn! Du bist meine geliebte Tochter!

 

Kreative Überlegung zum Ende der Predigt

Wenn wir in unser Leben schauen, gibt es viele kleine – oder auch größere – Möglichkeiten, Situationen, wo wir gerne anders handeln würden, als wir es immer tun. Dies kann sein: ich wäre gerne freundlicher zu meinen Kollegen; ich würde lieber nicht so viel schimpfen (müssen?); Eigentlich habe ich mir schon seit längerer Zeit vorgenommen ….. aber es kommt nie dazu. Schreiben sie eine einzige Sache auf die in den Bänken liegenden Zettel. Wir sammeln sie zur Gabenbereitung ein und bringen sie mit Brot und Wein Gott als Opfer dar.

 

 

Erstveröffentlichung: GOTTES VOLK 2 / 2008 Katholisches Bibelwerk

Zusätzliche Informationen

Predigt und Supervision

Dr. Abraham Roelofsen