Predigt zu 1Kor 6 13c-15a.17-20

Der Abschnitt aus dem Brief an die Gemeinde in Korinth hatte- mit anderen biblischen Texten – eine fatale Wirkungsgeschichte in der Kirche. Das kommt daher, weil im Blick auf die Hafenstadt Korinth die Ablehnung der Unzucht, von der Paulus hier spricht mit der Ablehnung der Sexualität gleichgesetzt wurde. Ja man kann sogar sagen, dass der Leib als Ganzer mit Sexualität in Verbindung gebracht wurde und damit als schlecht und sündig angesehen wurde. So etwas geschieht, wenn ein Text nicht im Blick auf seine Zeit und auf sein zentrales Anliegen verstanden wird. Es geht um das, was macht über uns Menschen hat und davon ist die Gefahr der Unzucht nur ein Aspekt.

Ein Blick auf die Wirkungsgeschichte

Der Abschnitt aus dem Korintherbrief der uns hier vorgelegt wird, hat zusammen mit anderen Äußerungen zur Frage von Leib, Unzucht und Sexualität eine fatale Wirkung in der Geschichte des Christentums gezeigt. Dies kommt unter anderem daher, dass, so wie auch in unserem Abschnitt, einzelne Verse herausgenommen werden und so eine bestimmte Tendenz dem Text unterlegt wird, die in dieser Einseitigkeit Paulus nicht gerecht wird. Doch davon später.

Der Leib gehört zu mir als Person

Zunächst stimme ich mit der ersten Aussage überein, dass er Leib nicht für die Unzucht da ist. Man kann mit ihm Unzucht treiben, wobei ich noch nicht genau weiß, was Paulus damit eigentlich meint, aber er ist in erster Linie sicher für etwa anderes da.

Für den Herrn! Sagt Paulus. Einspruch Euere Ehren! Das geht mir zu schnell. Zunächst einmal ist der Leib für mich da. Mit ihm drücke ich mich aus. Ich pflege ihn – soweit ich kann und wenn ich mir anschaue, was heute alles für den Erhalt der Gesundheit getan wird, dann zeigt sich hier durchaus eine Wertschätzung für unseren Leib, unseren Körper. Ganz zu schweigen von der Mode und den vielen Kosmetika und Lotionen, mit denen wir uns und unserem Körper etwas Gutes tun wollen. Und wenn wir dann in diesem Leib vor die anderen Menschen hintreten, ja dann trete ich so natürlich auch vor Gott und Christus hin. Und wenn ich die Rede von der Auferstehung des Leibes ernst nehme, dann ist es doch genau dieser Leib, in dem ich - verwandelt zwar – auferstehen werde. Ja, dann ist der Leib für den Herrn da. Dann stehe ich in meiner ganzen Person, mit meinem Leib dem Herrn gegenüber und bin in Kontakt mit ihm und so ein Glied Christi. Ich gehöre zu ihm.

Wenn ich es so sehe, dann bekommt die Rede vom Leib in unserem Zusammenhang einen Akzent, der über das körperliche hinausgeht. Dann sehe ich mich in meinem Leib als Person, als ganzer Mensch gesehen. Dann ist es aber auch so, dass ich, wenn ich mich an ihn binde, mit ihm auch innerlich verbunden bin. Ich fühle mich ihm und seinen Ideen verbunden. Ich teile seine Vorstellungen vom Menschsein, vom Zusammenleben der Menschen und von der Verbindung des Menschen zu Gott. Ja, dann bin ich ein Geist mit ihm. Ich lasse mich beherrschen von seiner Botschaft und seiner Liebe zu den Menschen.

Anders ist es, wenn ich mich der Unzucht hingebe. Aber es ist immer noch nicht klar, was Unzucht meint. In der kirchlichen Wirkungsgeschichte - so wage ist zu behaupten – wurde diese Unzucht immer mit Sexualität gleichgesetzt. Aus der Mahnung: Hütet euch vor der Unzucht! Wurde die Drohung: Hüte dich vor der Sexualität. Das aber steht nicht im Text

Nichts soll Macht haben über mich

Wenn ich die ausgelassenen Verse hinzunehme, dann wird es deutlich. Es beginnt mit Vers12 und dem Hinweis: Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles nützt mir. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht über mich haben. Und dieses Letzte: Nichts soll Macht über mich haben, wird am Beispiel der Unzucht d.h. dem Sexualverkehr mit Dirnen und offensichtlich auch Tempelprostituierten verdeutlicht. So schreibt es Paulus in Vers 16 der in unserer Perikope ausgelassen ist. Mit Blick auf die Erzeltern – sie werden ein Fleisch – lässt sich an diesem Beispiel, dem Verkehr mit Dirnen, besonders gut zeigen, dass dann, wenn sie ein Fleisch werden – kein Raum mehr für etwas anderes ist. Nur um diesen einen Aspekt geht es und nicht um die Sexualität als ganzer wie es so häufig in der Geschichte unserer Religion ausgelegt wurde und noch wird. Wenn wir uns dieser Unzucht hingeben, besteht die Gefahr, dass sie Macht über uns bekommt.

Wenn es darum geht, dass nichts über uns Macht bekommen soll, uns beherrschen soll – außer Christus – dann wird das Anliegen des Paulus plötzlich sehr weit. Dann gilt das nämlich für alles, was uns in ungebührlicher Weise in Anspruch nimmt. Sei es die Arbeit, sei es das Streben nach Ruhm und Reichtum, sei des die Suche nach Anerkennung, sei es das Durchsetzen der eigenen Interessen "auf Teufel komm raus" – was er dann oft auch tut.

Der Tempel des heiligen Geistes

Wir aber, die wir uns an Christus den Herrn binden, wir können zuversichtlich sein, denn wir sind ein Tempel des Heiligen Geistes. Dass dieser Tempel ab und zu auch gereinigt werden muss und wir auch schon mal nach dem Rechten sehen müssen, das steht auf einem anderen Blatt.

Jetzt Paulus, kann ich dir recht geben: Ja, der Leib und das meint jeder von uns als Person, ist nicht für die Unzucht da – und alles andere, was über uns Macht erringen kann - sondern für den Herrn.

 

Erstveröffentlichung: GOTTES VOLK 2 / 2006, © Verlag Katholisches Bibelwerk

Zusätzliche Informationen

Predigt und Supervision

Dr. Abraham Roelofsen