Heil und Heilung nur für die Frommen – dachte ich

Diese Perikope lässt sich in mehrere inhaltliche Abschnitte gliedern

Es beginnt mit dem fremden Wundertäter, der im Namen Jesu Dämonen austreibt VV 38-41.

Dann kommt der Vers 42 über den Umgang mit dem, der diesen Kleinen zum Ärgernis wird.

Als Drittes folgt die Rede über den Umgang mit den Gliedmaßen, die einem zum Ärgernis werden VV43-48.

In dem ersten Abschnitt stellt sich die Frage der Gruppenzugehörigkeit für die Menschen, die sich auf Jesus berufen und Gutes tun. Das wird für die Jünger als Anmaßung   empfunden. Ich kann mir vorstellen, dass es für manche kirchlich engagierten Christen nicht einfach ist, wenn jemand der "nur" getauft ist und Gutes tut, sein Handeln als christliches Tun bewertet wissen will, sich aber sonst in der Gemeinde nicht sehen lässt. Ich denke, es gibt solche Ausschlussmechanismen in allen sozialen Gruppen. Die Frage stellt sich aber, ob es nichtg hilfreicher ist, sich mit diesen Menschen u verbünden, anstatt sie zu ignorieren und auszuschließen

Der Vers 42 wird in der Regel im Kontext der Aussagen zu den Kindern gedeutet. Dabei wird aber übersehen, dass Jesus an den anderen Stellen ausdrücklich von Kindern spricht und nicht von "Kleinen". Die Kleinen, um die es hier geht, ist offensichtlich die Landbevölkerung, die, die sich nicht an die strenge Gesetzesauslegung der Pharisäer halten können und deshalb von diesen als im Glauben klein abgetan werden. Es geht also in diesem Zusammenhang um die, aus pharisäischer Sicht, nicht gleichwertigen Gläubigen. Für diese “Kleinen” ist es sicherlich ein Ärgernis, dass sie von den Autoritäten nicht als gleichwertige Gläubige anerkannt werden.

Das Bild vom Mühlstein ist sehr drastisch gewählt – auch wenn es sich möglicherweise um eine der etwas leichteren Handmühlen dreht-. Aber auch diese würden mich auf jeden Fall in die Tiefe ziehen. Es zeigt aber wie ernst es Jesus mit seiner Rede ist. Bürdet den Kleinen“ keine Lasten auf, die sie nicht tragen können.

Hier bietet sich für die Homilie ein reichhaltiges Anknüpfungsfeld. Letztendlich geht es um die Frage der angemessenen Umsetzung des christlichen Auftrags der Nachfolge.

 

Als Drittes haben wir das schwer verständliche Wort vom Ausreißen der Glieder die einem zum Bösen verführen. Der Hintergrund dieser Aussage ist die jüdische Vorstellung, dass der Sitz des Bösen die einzelnen Glieder sind. Das heißt, die Begierde zum Diebstahl liegt in der Hand. Also muss ich mich von ihr, meiner Hand, trennen.

 

Die entscheidende Aussage liegt m.E. aber in etwas anderem. Es geht um die Frage, ob jemand, der verstümmelt ist, in das Himmelreich kommen kann. Nach jüdischer Vorstellung ist Verstümmelung eine Strafe Gottes. Das heißt, der, der verstümmelt ist, kann nicht in das Reich Gottes kommen. Dieser Vorstellung tritt Jesus hier entgegen. Auf diesem Hintergrund bekommt die Rede Jesu noch einmal eine völlig andere Bedeutung und verliert das anstößige der Forderung. Es geht demnach nicht um das Abhacken von Gliedmaßen, sondern um die Wertschätzung der Menschen mit Behinderungen. Nicht diese sind die von Gott geschlagenen, sondern diejenigen müssen sich vorsehen, die "mit beiden Händen" und mit allem was sie haben dem Unrecht Vorschub leisten, oder es sogar selbst tun.

 

Wuppertal 05.01.2015        

 

Predigt und Supervision

Dr. Abraham Roelofsen