Es geht nicht um Sünde sondern um Erkenntnis

Ein neuer Blick auf die „Sünde“ der Eva

In der Tradition- schon bei Paulus – kommt die Sünde und damit der Tod durch Eva in die Welt und nicht durch Adam.

Wenn ich mich in der Homilie auf den Gen- Text beschränke und mit dem „Feindbild“ der „Sünderin Frau“ einmal aufräume, wäre das eine lohnende Aufgabe, Ausgangspunkt könnte die zu  Fehlinterpretationen verleitende Ignorierung der Partizipialkonstruktion „Ihr werdet sein wie Gott erkennend Gut und Böse“ sein.. Es geht also nicht um das „Sein wie Gott“ , sondern um die Erkenntnis, die den Menschen  dann sehr wohl an einer Eigenschaft Gottes teilhaben lässt. Die aktive  Person in dem Geschehen im Garten Eden ist im Übrigen Eva und nicht Adam.

2. Lesung Röm 5.12-19

Durch die Sünde Adams kam der Tod in die Welt. Oder: Durch die „Sünde“ Adams kam die Fähigkeit zur Entscheidung in die Welt.

Der Tod kommt durch die Entscheidung zum Bösen.

Offensichtlich stellt sich für Paulus die Frage, wie es sein kann, dass durch die Tat eines einzigen Menschen nämlich Jesus die ganze Welt gerettet werden kann. Dabei hilft ihm die Analogie mit Adam. Dabei darf in der Homilie – in unserer textkritisch aufgeklärten  Zeit - aber nicht übersehen werden, dass es sich im Genesistext um einen Glaubenstext handelt der versucht die Not der Menschen zu verstehen, während dem Geschehen um den Tod Jesu ein real historisch fassbares Ereignis zu Grunde liegt.

Trotzdem kann der Frage nachgegangen werden, wie ist das, wenn von einem einzelnen Menschen - wie Jesus – eine solche Wirkung ausgeht? Und wie verstehen wir die „Wirkung“ der Sünde Adams? [Die Folge der Sünde Adams war zunächst einmal „nur“ die Fähigkeit zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können.] Die negativen Folgen zeigten sich darin, dass der Mensch zu häufig sich für das Böse entschieden hat. Diese Entscheidung ist es, die letztendlich zum Tod führt. Der Tod Jesu, auch letztendlich eine Entscheidung zum Bösen, wird dann durch Gott in seiner „tödlichen“ Konsequenz aufgelöst. – der Tod hat keine Macht mehr über ihn.

Paulus benutzt die Analogie Adam / Jesus um deutlich zu machen, dass mit dem Tod und der Auferstehung Jesu wirklich alle Menschen gerettet sind. Er kann an Adam anknüpfen, weil für seine Zuhörer die Verbindung von Tod und er Sünde Adams fester Bestandteil ihrer Vorstellung ist.

 

Ev. Mt 4,1-11 Die Versuchung Jesu

Das Ringen um die Berufung

„Die Versuchung Jesu“ ist sicher eine der bekanntesten Schrifttexte in den Sonntagslesungen. Das bedeutet, dass die Gottesdienstbesucher schon ihre eigenen Auslegungen beim Hören im Kopf haben. Ich muss also versuchen, die trotzdem noch für meine Sichtweise zu gewinnen. Es kann aber auch so sein, dass sie durch ihre reiche Hörerfahrung ganz gespannt darauf sind, was dem Prediger  dazu noch – Neues – einfällt.

Zunächst einmal ist auffallend, dass sie Versuchung nach der Taufe angesiedelt ist. Er hat da doch seine Sendung und den Zuspruch erhalten. Was zögert er noch.

Das 40tägige Fasten, das, für längere Zeit Sich-Zurückziehen,  ist eine biblische Tradition. Auch Mose ist vor der Gesetzgebung 40 Tage bei Gott auf dem Berg. Elias geht vierzig Tage mit der Kraft der Gottesspeise bis zum Berg Horeb.

Jesu setzt sich in dieser Zeit mit dem auseinander, was er in der Taufe erfahren hat.  Er stellt sich seiner Berufung und ringt sicherlich auch mit ihr -  und mit Gott. Wir stellen uns oft vor, dass Jesu von Beginn an um seine Berufung wusste. Ich denke, dass das nicht so war. Das ist der eine Aspekt dieser Perikope.

Wie nutze ich meine Fähigkeiten? Und wie glaubhaft ist Gott?

Dann kommen die drei Begegnungen mit dem Teufel. Es sind klassische Anfechtungen. Die eigene Fähigkeit zu seinem eigenen Nutzen einzusetzen und aus Steinen Brot machen weil man Hunger hat. Den Reichtum anzunehmen und sich vor ihm niederzuwerfen.  Nichts Anderes ist das Angebot Satans, Jesus die Schätze der Welt zu geben, wenn er sich vor ihm dem Herrscher über diese Welt, nieder wirft. Die Aufforderung sich von der Zinne des Tempels zu stürzen ist die Versuchung, ob Gottes Wort glaubhaft ist. Diese Glaubhaftigkeit wird am Ende unter Beweis gestellt, wenn die Engel Gottes kommen und ihm dienen.

Besonders hervorzuheben ist die Art und Weise wie Jesus dem Satan antwortet. Er benutzt alttestamentliche Bibelzitate. Das Wort Gottes verweist den Satan in seine Schranken. Der Gehorsam Jesu Gott und seinem Wort gegenüber, ist das zentrale Anliegen Jesu und seiner Botschaft.

Für die Homilie bietet sich einmal die Möglichkeit, nach Alltagserfahrungen zu fragen. Welcher Hunger ist es, der gestillt werden will?  Wovor werfen wir uns nieder? Ist es Erfolg in Schule und Beruf; Anerkennung auf unterschiedlichen Ebenen; das neue Haus, das neue Auto; die Anerkennung die die Kirche in der Gesellschaft einfordert.

Und das Dritte ist die Versuchung Gottes selbst: Hält er das, was er verspricht? Ich denke wir sind bewusst oder unbewusst oft in der Situation, dass wir Gott herausfordern.

Nicht weniger wichtig ist es, die mythische Dimension im Auge zu behalten. Wer ist der Herrscher dieser Welt? Der Teufel oder Gott? Das ist der Grundkonflikt den Jesu hier mit dem Satan ausficht. Diese Auseinandersetzung wird das Leben und Wirken Jesu bestimmen, Wie heißt es am Ende: Da verlässt ihn der Teufel. Bei Lukas heißt es an dieser Stelle: Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel eine gewisse Zeit von ihm ab. (3,13)

Die Perikope Mt4,1-11 ist die Vorbereitung auf das, was Jesus bevorsteht, nämlich der Kampf mit dem Bösen.

Predigt und Supervision

Dr. Abraham Roelofsen