Brot das nährt ist mehr als das, was man essen kann

Ich bin das lebendige Brot – so ein Unfug, Du bist der Sohn Josefs (V 41.42)

Hier wird ein Problem angesprochen, das auch in anderen Evangelien auftaucht. Die Menschen in Kapharnaum und in Nazareth kennen Jesus und seine Familie. Immer dann, wenn er sagt, dass er vom Himmel kommt oder die Messiasweissagung des Jesaja auf sich bezieht, bekommt er Widerspruch: wir kenne dich doch. Wir wissen wer Du bist – besser als du selbst – klingt da mit.

Es ist immer schwer, aus den tradierten Vorstellungen und Bildern auszusteigen und seinen eigenen Weg , manchmal auch einen neuen Weg zu gehen.

 

Niemand kommt zu mir, der nicht von meinem Vater geführt wird. (V44)

Man könnte meinen, dass der Glaube dann ja im Grunde garnicht von mir abhängt, sondern davon, ob Gott mich dem Glauben zuführt. Das Mittun des Menschen ist in der Weise notwendig, dass er sich auch führen lassen muss. Nur die, die suchen finden ihn. Letztendlich ist der Glaube aber dennoch ein Geschenk, das nicht verdient werden kann.

 

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit nicht sterben. Das Brot, das ich gebe ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt. (V51c)

Auch diese Brotrede wird in der Predigt gerne mit der Eucharistie in Verbindung gebracht, was der Vers 51c auch nahe legt. Der Text ist aber nach V51b bereits zu Ende. Es ist alles gesagt. Die Exegeten gehen zum Teil davon aus, dass das letzte Versdrittel (51 c) später hinzugefügt wurde und nicht zum Grundbestand des Textes gehörte.

 

„In Is 48,21 tröstet der Gedanke an das Wasser aus dem Felsen, und in 49,10 wird den Ausziehenden verheißen: „Sie werden weder Hunger noch Durst haben … denn ihr Erbarmer leitet sie, an sprudelnde Wasser führt er sie.“ Der Evangelist braucht nicht unmittelbar an diese Texte zu denken; aber die Metapher von Hunger und Durst legt nahe, dass sich für ihn mancherlei Assoziationen einstellten. Ein unmittelbarer Bezug auf die eucharistischen Gaben (V 53-56 Essen und Trinken) ist schwerlich beabsichtigt; doch bleibt die Doppelwendung auch dafür offen, wenn der Abschnitt 6, 53-58 ein integrierender Teil der Rede ist.“(Schackenburg, Rudolf, Das Johannesevangelium 2. Teil, 59)

Es zeigt sich, dass mit dem Vorschnellen Rückgriff auf die Eucharistie, wichtige Aspekte der Botschaft verloren gehen. Denn das „Brot“ das Jesus den Menschen gibt ist mehr als nur sein Leib in der Eucharistie. Das, was die Menschen „satt“ machen und sie nähren kann ist auch sein Wort. Denn der Hunger von dem Jesus spricht ist nicht der des Magens, sondern der Hunger nach Sinn, Erfüllung, Heilung in vielfältiger Form und und und … . Für die Homilie ein weites Feld.

Predigt und Supervision

Dr. Abraham Roelofsen