8. Dezember, Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, Gen 3,9-15.20

Da am 25. März zum, Fest der Verkündigung an Maria, auch das Evangelium Lk,26-38gelesen wird, lohnt es sich vielleicht einmal, sich mit Hilfe des Abschnittes aus der Genesis mit dem kirchlichen Frauenbild zu beschäftigen, ,das nicht immer auch das biblische ist.

 

Der Erdling und die Mutter aller Lebendigen

Das, was hier geschildert wird, ist nur peinlich. Es ist beeindruckend, wie die Verantwortung für das Handeln von einem zum anderen weitergereicht wird. Liegt darin vielleicht die größere Verfehlung, dass Adam nicht bereit ist, die Konsequenzen für sein Handeln zu tragen.

 

Die Wirkungsgeschichte dieses Abschnittes ist verheerend. Hätte die Frau nicht von dem Baum gegessen, wäre alles anders gekommen. Das Fatale an dem Umgang mit diesem Ereignis ist, dass letztendlich nur der Vers 13a in der Rezeption übernommen wurde. "Was hast Du getan?" Adam macht sogar Gott mitverantwortlich dafür, dass er von dem Baum gegessen hat: "Die Frau die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben und so hab ich gegessen."(V12)

Es lohnt sich, diesen Vers einmal laut zu lesen um dem Klang nachzulauschen, der in diesem Vers verborgen liegt. Zweimal kommt "Frau" vor mit einer steigenden Kadenz. Das: "und ich habe gegessen" – Luther sagt noch kürzer: und ich aß – klingt mit fallender Kadenz hinten nach, kaum noch zu hören.

 

Schade ist, dass der Vers 15 und Vers 20 in der Wirkungsgeschichte keine Rolle mehr gespielt haben. Vers 15 macht deutlich, dass die Nachkommen der Frau, das heißt die Menschen, sich dem Bösen - für das die Schlange steht – widersetzen werden. Bei dieser Vorstellung spielt sicherlich auch eine Rolle, dass die Schlange als Kriechtier, das leicht übersehen wird eine besondere Gefahr für den Ackerbauern und den Wanderer darstellt. Eine Weissagung auf den Erlöser der von der Frau – nämlich Maria – geboren werden wird, der das Böse besiegen wird, ist hier nach Einschätzung der Exegese aus alttestamentlicher Sicht mit Sicherheit nicht gegeben. (Auch wenn die Perikopenschneider mit der Textauswahl zum heutigen Festtag dies nahe legen wollen.)

 

Auffällig ist, dass am Ende der Paradieseserzählung Eva, mit dem Titel "Mutter aller Lebendigen" ausgestattet, das Paradies verlässt. Auch dieser Vers 20 hat in der Wirkungsgeschichte keine Rolle gespielt. Damit bekommt die Frau einen Selbststand und eine Würde, die ihr über Jahrtausende abgesprochen wurde. Aus der Ischa, der Menschin, die vom Isch, dem Mensch genommen wurde, wurde Eva. Der Mann aber hat seinen Namen Adam – Erdling –behalten. Hier ergeben sich spannende Möglichkeiten für so mache Homilie.

 

 

Erstveröffentlichung: GOTTES VOLK 1/2009 Katholisches Bibelwerk

 

Predigt und Supervision

Dr. Abraham Roelofsen